Ägypten, Sudan, Äthiopien, Kenia
06.10.-19.11.2010

 
Dieses Mal zog es uns wieder nach Afrika und wir fuhren mit unserem Toyota von der Schweiz nach Nairobi Kenia. Von anfangs Oktober bis Mitte November 2010 waren wir unterwegs. Mit der Fähre ging es von Venedig nach Alexandria (Anmerkung: diese Fährverbindung existiert nicht mehr). Danach fuhren wir durch durch Ägypten, Sudan, Äthiopien und Kenia bis nach Nairobi. Insgesamt sind wir - ohne die Fährverbindungen - etwas über 8000 Kilometer gefahren.


Ägypten, wo alles beginnt - oder was bisher war und danach geschah

Unsere Reise begann in Ägypten. Als wir durch dieses Land reisten, regierte oder beherrschte noch der 82-jährige Hosni Mubarak das Land, und das schon seit 29 Jahren! Anfangs Februar 2011 war Ägypten Gastland an der Basler Messe Muba und warb mit dem plötzlich mehrdeutigen Werbeslogan "Ägypten, wo alles beginnt" für den Tourismus. Zeitgleich ging das Volk in Ägypten auf die Strasse und demonstrierte gegen die Herrschaft von Hosni Mubarak. Und noch während der Messe trat Hosni Mubarak auf Druck der Proteste am 11.02.2011 zurück.
Es besteht also grosse Hoffnung, dass sich in Ägypten einiges zum Besseren wenden wird, insbesondere für die jahrelang unterdrückten Ägypter.
Anmerkung Dezember 2012: der neue Präsident Mohammed Mursi unterdrückt die Ägypter wieder wie zu Mubaraks Zeiten. Es wird schwer für die Menschen noch an einen Aufbruch zu glauben.

Auch im Sudan hat sich seit unserer Durchreise etwas geändert: anfangs Januar 2011 stimmten die Sudanesen über die Unabhängigkeit des Südsudans ab. Das Resultat war sehr eindeutig: die Sudanesen entschieden sich sozusagen einstimmig für die Unabhängigkeit des Südsudans und schon am 9. Juli 2011 wurde der Südsudan unabhängig.


Visum

Die aufwändigen Formalitäten haben diesmal einige Zeit und Nerven gekostet: wegen dem relativ engen Zeitrahmen haben wir alle Visas zuhause in der Schweiz besorgt. Am längsten mussten wir auf das Visum für den Sudan warten, der Antrag wird nämlich in Khartoum bewilligt oder auch nicht und das dauert 4 bis 6 Wochen. Es ist wichtig, dass man immer wieder mit der Botschaft Kontakt aufnimmt und nach dem Stand der Dinge fragt.

Zuerst wollten wir einen Visa-Service beauftragen. Wir dachten, dass das so einfacher ginge. Aber die Formulare muss man auch dann selbst ausfüllen und die verlangten Kontaktadressen im Land muss man ebenfalls selbst besorgen. Es hat schliesslich bei allen Ländern problemlos funktioniert. Wir gaben als Kontaktadressen bekannte Hotels an und beschrieben kurz unsere Reiseroute, da wir ja keine fix gebuchten Arrangements vorweisen konnten.

Natürlich wäre es möglich, die Visas auch unterwegs zu beantragen. Ganz einfach geht es in Ägypten, dort erhält man es schon auf der Fähre im Hafen von Alexandria. In Kenia gibt es das Visum ebenfalls direkt an der Grenze.

Etwas komplizierter ist es mit dem Sudan. Dieses Visum muss auf der Botschaft (Kairo, Assuan, Addis Ababa) beantragt werden und das dauert 1 bis 10 Tage.

Beim Visum für Äthiopien wird es noch komplizierter. Wenn man nicht mit dem Flugzeug in Addis Ababa ankommt, so muss man das Visum vorher auf der Botschaft beantragen. Momentan ist das vor Ort in Afrika sehr kompliziert. In Nairobi stellt die Botschaft keine Visa mehr aus. Das Visum muss in der Botschaft im Heimatland beantragt werden. In Deutschland kommt noch ein Schwierigkeitsgrad dazu, denn dort gibt es mehrere äthiopische Botschaften die aber nur für bestimmte Bundesländer zuständig sind. Werden die Unterlagen an die falsche Stelle geschickt, so kommen sie unbearbeitet wieder zurück. In Nairobi trafen wir Spanier, die schon über 6 Wochen auf dieses Visum warten und deren Reisezeit jetzt abgelaufen ist (für Spanien ist Paris zuständig, da Äthiopien in Spanien keine Botschaft hat).


Carnet de Passages

Ein Carnet de Passages für unseren Toyota war ebenfalls notwendig für diese Länder. Dies ist ein Zolldokument für die temporäre Einfuhr eines Fahrzeuges und wird in vielen aussereuropäischen Ländern verlangt. Man bekommt dieses Dokument beim Automobilclub (TCS, ADAC). Für Ägypten muss die höchste Kaution weltweit hinterlegt werden. Das hat den Vorteil, dass so unser Carnet für die ganze Welt gültig ist.

Äthiopien anerkennt dieses Carnet aber nicht. Das war bisher auch kein Problem, aber als wir an der Grenze in Metema ankamen, hatten sich seit etwa einer Woche die Einreisebestimmungen geändert. Neu wird eine Garantie bzw. ein Empfehlungsschreiben der eigenen Botschaft verlangt. Zum Glück hatten wir (zum ersten Mal) die Adressen und Telefonnummern der Schweizer Botschaften mit dabei (ein Foto von der Botschaft kann auch hilfreich sein). Per Handy kontaktierte ich die Botschaft und erklärte das Problem. Die Botschaft verlangte eine Kopie unserer Pässe. Auch hier hatten wir vorgesorgt: die liegen in unserem Email Postfach bereit und mussten nur weitergeleitet werden. Ein freundlicher Bankangestellter in Metema war so hilfsbereit und stellte uns seinen persönlichen Internetanschluss zur Verfügung. Innerhalb von ein paar Stunden traf das Schreiben per Email ein und wir konnten es in der Bank ausdrucken. Von anderen Reisenden hörten wir, dass diese so ein Schreiben vorsorglich schon in Khartoum besorgen wollten, aber ihre Botschaft (nicht die Schweizer) winkte ab und erklärte, dass sie nur Landsleuten in Not helfen würden, also erst wenn sie an der Grenze wirklich festsitzen.


Fähren

Stand der Infos über die Fähren: Oktober 2010.

Die Fähren haben wir ebenfalls schon zuhause gebucht bzw. reserviert. Von Venedig nach Alexandria sind wir mit der damals neuen Fähre gefahren. Später in Afrika hörten wir immer wieder von Gerüchten, dass es so eine Fähre gäbe. Wir können hiermit bestätigen, dass es sie wirklich gibt!
Nachtrag vom Juni 2011: wegen den Unruhen in Syrien hat die Fähre den Betrieb eingestellt. Aktuelles dazu auf der Homepage der visemar line.

Die Fähre von Assuan nach Wadi Halfa haben wir bei Mr. Salah Takourny per Email reserviert und das hat auch geklappt. Er arbeitet im Office der Fähre in Assuan und hat ein Internetforum mit Infos über den Fährbetrieb.

Auf sudanesischer Seite ist Mr. Magdi Boshara die Kontaktperson für die Fähre. Er kommt im Hafen von Wadi Halfa bereits aufs Schiff und hilft bei den Einreiseformalitäten, z.B. beim Ausfüllen des Reisepermits. Nachdem er uns durch den Zoll begleitet hatte, organisierte er den Transport zum Hotel (die Autos kommen mit separatem Schiff mindestens einen Tag später an). Er hat alle unsere Dokumente eingesammelt um speditiv die Zollformalitäten für unsere Autos zu erledigen. Bei ihm kann man auch zu besserem Kurs als auf der Fähre Geld wechseln.


Zoll

Wir hatten etwas Respekt vor den Zollkontrollen. Vielleicht weil wir in Südamerika entsprechende Erfahrungen gemacht hatten. Dort wird einem zum Teil ja schon an Provinzgrenzen der ganze Vorrat an Gemüse und Obst abgenommen. Auf dieser Afrika-Reise wurden wir jedoch nie so genau kontrolliert. Die Beamten suchten eher nach zusätzlichen Personen oder Tieren und wollten in die Schränke sehen. Für den Kühlschrank und Lebensmittel hat sich keiner interessiert. Am nervigsten war ein Sudanese, der bei der Ausreise den Inhalt unserer Alubox auf dem Dach sehen wollte und die wir deshalb in brütender Mittagshitze abschnallen und ihm zu Füssen stellen mussten.


Autoversicherung

Wir haben eine Haftpflicht-Versicherung bei TourInsure abgeschlossen. Diese ist zwar relativ teuer, hat aber im Schadensfall (hoffentlich) eine höhere Deckungssumme als die lokalen Versicherungen. Eine Alternative wäre vielleicht noch die COMESA Yellow Card. Nur in Ägypten mussten wir eine lokale abschliessen, im Chaos der Formalitäten wäre es wohl aussichtlos gewesen zu beweisen, dass wir schon eine Versicherung haben. In den restlichen Ländern hat keiner nach einer Versicherung gefragt. Es gibt viele Langzeit-Reisende die nicht versichert sind, aber das muss jeder selbst für sich klären.


Strassenzustand, Kartenmaterial und GPS

Praktisch alle Hauptstrecken sind in der Zwischenzeit geteert und in gutem Zustand. In Ägypten bestand keine Konvoi-Pflicht mehr, alle Strassen beidseits des Nils zwischen Luxor und Assuan waren offen (Stand Oktober 2010). Im Sudan waren die Strassen in sehr gutem Zustand. Die Strecke von Wadi Halfa bis Khartoum ist geteert. Leider führt die neue Teerstrasse weit abseits vom Nil durch die Wüste. Auch in Äthiopien fanden wir meist gute Teerstrassen. Durch die unzähligen Menschen und Tiere von denen keiner auf den Autoverkehr achtet, ist ein zügiges Vorankommen trotzdem unmöglich. In Kenia hingegen hat es noch ein grosses Stück Piste die es in sich hat. Zwischen Moyale bis südlich von Laisamis hat es eine Piste (Hauptverbindung) mit dem schönen Namen Trans-East African Highway und diese ist in schrecklichstem Zustand, was auch Einheimische sagen. Unser Toyota hat sie aber tapfer und ohne Schaden überstanden. Einzig die Reifen sahen danach aus wie nach 20000 südamerikanischen Pisten-Kilometern.

Von OpenStreetMap haben wir uns eine routing-fähige GPS-Karte gratis runtergeladen. Diese Karten sind für Garmin GPS-Geräte und wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Die Michelin Karte 745 Nordost-Afrika und Arabien ist trotz des Massstabs 1:4 Mio sehr genau. Für Kenia hatten wir die Karte von Nelles. Die Qualität der Nelles-Karten hatte uns schon in Südamerika überzeugt.
Zum wiederholten Male machten wir schlechte Erfahrungen mit einer Karte eines Verlages, dessen Name Reise Know-How suggeriert. Auch seine Äthiopien-Karte ist unbrauchbar: falsch eingezeichnete Strassen, falsche Distanzangaben und das gleiche Symbol wird für Campingplätze und Schafpferche verwendet...

 
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