Bilanz: ein Jahr unterwegs auf der Weltreise

Nachfolgend möchten wir über unsere Langzeitreise-Erfahrung und unseren Reisealltag berichten
(15.05.2017-30.04.2018)

Zuerst einmal vorne weg:

Das Jahr ist für uns sehr schnell vergangen und
das Reisen macht uns immer noch Spass!
 
Bisher hatten wir grosses Glück mit dem Wetter. Die Tage an denen es geregnet hat oder extrem heiss war, kann man an einer Hand abzählen. Von daher sind wir Schönwetter-Reisende und hatten auch keine Reise-bedingten Krankheiten. Erst ab Turkmenistan und Usbekistan war das Klima anstrengend: Nach windstillen Hitzetagen folgte jeweils ein Temperatursturz auf 5 Grad mit kaltem Wind. Das war gesundheitlich stressig und hat uns erstmals eine Erkältung mit hartnäckigem Husten beschert.
 
Wir schlafen sehr lange, ca. 10 Stunden. Wir stehen etwa um 8:30 auf und frühstücken gemütlich und besprechen das Tagesprogramm. Wenn es Brot gibt, essen wir dieses mit Margarine, Konfi, Honig, ein paar Früchte und Kaffee. In den "brotlosen" Zeiten machen wir Birchermüesli, Porridge oder Pancakes. Danach packen wir zum Weiterfahren, viele Tage sind reine Fahrtage. Alles muss rüttelsicher verstaut sein. Wenn nicht, kann es sein, dass einem beim Öffnen der Türe zermanschte Melonenstücke entgegen kommen. Um etwa 10:30 fahren wir ab. Je nach lokalen Verhältnissen lassen wir das Brauchwasser ab und leeren die WC-Kassette am Ort oder unterwegs. Zwischen 13 und 14 Uhr machen wir einen Picnic Halt und essen, was der Kühlschrank so hergibt: Brot, Wurst, Käse, Fisch, Tomaten, Gurken, Paprika.
Unterwegs gibt es je nach Route noch das eine oder andere zu besichtigen. Wenn wir ein Tagesziel haben, fahren wir weiter bis dorthin. Wenn nicht, beginnt schon bald die manchmal stressige Nachtplatzsuche. Mit unserem Auto und der geschlossenen Wohnkabine haben wir es relativ einfach auch in einer Stadt zu stehen. Oft bleiben wir in einer Wohn- oder Seitenstrasse stehen und machen auf "geparktes Fahrzeug". Nervenaufreibend wird es, wenn wir nach einem anstrengenden langen Fahrtag abends in eine Stadt kommen und bei Feierabendverkehr mit einem 12 Tonner einen Platz oder bestimmten Ort suchen müssen. Endlich angekommen, wird ein warmes Abendessen gekocht. Fleisch gibt es nur, wenn wir schönes finden, sonst machen wir viel Eintopfgerichte mit den Zutaten und der Auswahl vom Bazar. Nach dem Essen lese ich meistens (Bücher von der online Bibliothek auf Kobo) oder schreibe Reiseberichte. Tobias sichtet die am Tag aufgenommenen Fotos. Nach 22 Uhr geht es dann müde ins Bett. Schlafen können wir auch dank guter Matratzen gut, wenn die Umgebung stimmt.
 
So gibt es neben Fahrtagen auch Ruhe- und "Verdauungs"-Tage, an denen wir uns nach anstrengenden Fahrten erholen und kein Programm haben. Unabhängig voneinander macht jeder das, wozu er/sie Lust hat um die vielen Eindrücke zu verarbeiten.
 
Danach folgt meist ein Arbeitstag: Wäsche waschen, putzen, Reparaturarbeiten am Auto, Haare schneiden, Visa besorgen, Mails beantworten, Schweizer Post bearbeiten und Rechnungen bezahlen, Reiseberichte schreiben, Grenzübertritte organisieren, Reiseroute planen (Visa-Gültigkeit, Jahreszeit), Schiffspassagen buchen, Homepage pflegen etc.
 
Ein sehr wichtiges Thema ist immer das Trinkwasser Tanken. Wenn sauberes Trinkwasser nicht wie zuhause aus dem Hahn läuft, muss man sich intensiv und bewusst darum bemühen. Das kann auch in Arbeit ausarten, wenn wir z.B. lange suchen müssen um eine passende "Quelle" zu finden. Dann kann es sein, dass unsere Tanks in wenigen Minuten mit Hochdruck gefüllt werden, wie im Oman. Aber oft müssen wir unsere Faltschüssel und die Teichpumpe benutzen.
Wir machen jeweils eine Geschmacksprobe, füllen ein Glas Wasser, schauen es an ob es trübe ist oder gar Schwebeteilchen drin hat. In diesem Fall verzichten wir auf dieses Wasser. Ist es klar und geschmacklich ok, so tanken wir es.
Wir haben in unseren Tanks nur spezielle Silbermatten. Einen Wasserfilter (Aktivkohle) haben wir zwar, aber bisher noch nicht gebraucht. Wir kochen das Trinkwaser nicht ab. Bisher haben wir noch keine Magen-/Darm-Probleme gehabt.
 
Und dann gibt es noch die Sightseeing-Tage. Entweder wir sind unterwegs und besichtigen ausserhalb eines Ortes etwas oder machen Touren/Spaziergänge in der Natur oder wir gehen eine Stadt besichtigen. Dann sind wir den ganzen Tag dort unterwegs und essen meist in einem Restaurant einheimische Gerichte.
 
Am Anfang der Reise sind wir noch jeder Sehenswürdigkeit nachgejagt und haben gemeint, wir müssten alles gesehen haben. Aber nach zig Zwiebelkirchen oder Moscheen weiss man bei der Letzten nicht mehr wie die Erste ausgesehen hat. Deshalb schauen wir inzwischen nicht mehr alles an, sondern nur das was uns wirklich interessiert und spazieren dann durch die Stadt und über Bazare, tauchen ein in die Atmosphäre und geniessen das Beobachten von einer Parkbank aus. Dadurch haben wir sogar mehr Kontakt zu den Einheimischen, die für ein "Schwätzchen" stehen bleiben.

Natürlich sind die Tage nicht so strikt getrennt wie oben beschrieben und überschneiden sich.
 
Nach einer Umstellungs- und Eingewöhnungsphase klappt das Leben auf 12 Quadratmetern und 24 Stunden Beisammensein ganz gut und wir sind inzwischen ein eingespieltes Team.
 
Bisher haben wir die vielen Kontakte mit den Menschen sehr genossen. Haben trotz Sprachbarriere viel von den Einheimischen und deren Land erfahren und sind immer wieder von deren Gastfreundschaft überwältigt. Auch der Austausch mit anderen Reisenden ist spannend, interessant und die Tipps die wir erhalten haben sind oft hilfreich.
 
In den bisher bereisten Ländern haben wir uns immer sehr sicher gefühlt, sind nie bedroht worden oder in gefährliche Situationen geraten. Einzig bei russischen Kampftrinkern in unserer direkten Nachbarschaft fühlten wir uns unwohl und haben ein paar Mal den Platz gewechselt.
 
Der kommunikative Austausch mit den Daheimgebliebenen hat für uns grössere Bedeutung bekommen und ist inzwischen auch intensiver als während unseres aktiven Berufslebens. Dank jeweils landeseigener SIM-Karte können wir je nach Netz-Qualität oft online sein und mit Whatsapp oder Skype Verbindung halten. Wir haben auch einen GPS-Tracker mit dabei (Garmin Inreach Explorer). Dieser zeichnet unsere Route auf und publiziert sie auf einer Website, wo man in Echtzeit sehen kann, wo wir gerade sind.
Öfters wird die Kommunikation allerdings erschwert, wenn Software-Updates oder App-Updates anstehen oder wie z.B. im Iran unser Anti-Virus-Abo storniert wird oder Microsoft Office Starter ohne Internet nicht mehr funktioniert.
 
Unser Fahrzeug hat bisher gut mitgemacht und die Schwächen konnten zum Glück mittels Reparaturen behoben werden. Jedoch ist ein altes Fahrzeug nicht nur von Vorteil. Es ist und bleibt alt, auch im Ausland! Denn die Ersatzteile sind auch dort nicht mehr erhältlich und jüngere Mechaniker haben das Wissen über so alte Fahrzeuge nicht mehr.
 
Und hier noch etwas Statistik bis und mit Usbekistan (350 Reisetage):
  • Kilometer-Stand Start: 21'387 km
  • Kilometer-Stand nach 1 Jahr: 48'387 km
  • gefahrene Kilometer in 1 Jahr: 27'000 km
  • gefahrene Kilometer durchschnittlich pro Tag: 77 km
  • Diesel getankt: 7'051 Liter
  • Diesel-Verbrauch durchschnittlich: 26 Liter / 100 km
  • Diesel-Preis durchschnittlich: 0.54 CHF / Liter
  • Länder bereist: 12
  • Fotos auf Computer gespeichert: 10'830 (31 pro Reisetag)
  • Eindrücke gesammelt: sehr viele unvergessliche...
 
Oft werden wir gefragt, was das Reisen denn so kostet. Wir führen darüber genauestens Buch und notieren die Ausgaben seit Abreise. Wenn man das Reiseauto einmal hat, ist das Leben auf Rädern günstig. Wir brauchen weniger Geld als wenn wir in der Schweiz wohnen würden. Das ist natürlich je nach Land unterschiedlich und kommt auch auf die eigenen Bedürfnisse an. Kauft man nur lokale Lebensmittel, sind diese billig. Auch Essen in einheimischen Restaurants ist oft preiswerter als selber kochen.
Will man aber Käse, Wurst oder Kaffee haben obwohl es das im Land kaum gibt, so muss man schon tiefer in die Tasche greifen, denn dann wird es gleich teurer. Bisher haben wir uns jedoch das gekauft und geleistet, worauf wir Lust hatten. Ein zusätzlicher Kostenpunkt ist natürlich das Auto. Geht etwas kaputt, kann es sehr schnell sehr teuer werden. Ein weiterer wichtiger Posten sind Flüge, Schiffspassagen und die Formalitäten. Neben diesen tatsächlichen Reiseausgaben fallen in der Schweiz noch Kosten für Krankenversicherung, Steuern, AHV-Beiträge, Miete für den Bastelraum in dem unsere Möbel stehen etc. an. Da wir unsere Mietwohnung aufgegeben haben, können wir jetzt fast von der monatlichen Miete leben.
 


Nachfolgend eine Auflistung der Reisekosten in CHF für das erste Jahr (ohne Fixkosten in der Schweiz):
 
 


Viel zu spät begreifen viele, die versäumten Lebensziele:

Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.

Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist's! Reise, reise!

...alles klar, das machen wir!
 
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